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Kirche zum hl. Stephan in Vormoos


Etwas erhoben und von einem Friedhof umgeben, steht die Filialkirche zum hl. Erzmärtyrer Stephanus.

Wann die Kirche gebaut wurde, ist nicht genau bekannt. Nach einer Sage soll sie aus den Überresten der Burg in Burgkirchen erbaut und am zweiten Sonntag nach Ostern im Jahre 1400 geweiht worden sein. Auch heute noch wird an diesem Sonntag in Vormoos Kirtag gefeiert. 1407 erfolgte die Stiftung der Freitagsmesse.

Das nach Süden ausgerichtete und im Putzbau mit Tuffsockel errichtete Gotteshaus hat nordseitig ein rustifiziertes Blindportal und Dreiecksgiebel, an der West- und Südseite sind die Joche mit Lisenen angedeutet.

Die Vorhalle mit Kreuzgewölbe und Quadratstukko befindet sich an der Ostseite. Rechteckige Fenster mit oben und unten angesetzten Rundbogen geben dem Raum eine natürliche Helligkeit. Über diesen sind breitovale Blindfenster zu erkennen.

An der Ostseite des Langhauses erhebt sich der ungegliederte Turm mit seinem achtseitigen, von niederen Stützpfeilern eingefaßten Aufsatz. Unter den rundbogigen Schallfenstern mit Ort- und Keilsteinen ist das Uhrblatt angebracht. Der Zwiebelhelm ist mit Eisenblech gedeckt, während das Satteldach des Kirchenschiffes mit drei Walmen über dem Chorschluß eine Taschenziegel- und Biberschwanzdeckung aufweist.

Warum schon 1647/49 die Kirche - mit Ausnahme des untersten Teiles des Turmes - abgerissen und eine neue errichtet wurde, ist leider unbekannt. Gebaut wurde sie vom einheimischen Baumeister Josef Vilzkoter aus Steckenbach, dem auch die Gotteshäuser in Moosdorf, Ostermiething und vielen anderen Orten in der Umgebung zu verdanken sind. Steckenbach gehörte ja bis zur Gründung einer eigenen Pfarre - St. Georgen - zu Feldkirchen. Neben dem Gewölbe im Turm und in der Vorhalle stammt noch ein wertvoller Türbeschlag an der inneren Sakristeitür aus der Zeit der Erbauung.

Der Kirchenbau besteht aus einem einschiffigen Langhaus mit drei durch gekuppelte Pilaster und Gurte getrennten Jochen. Die Pilaster werden von Spaltblattstäben begleitet und gefüllt, im Zwischenglied ist ein Engelskopf. Am Stichkappen-Tonnengewölbe gibt es verschiedene Stukkaturen (Vierpässe, Quadrate und Rosetten).

Die eingebaute, dreischiffige Empore ruht auf quadratischen Pfeilern, an deren Brüstung hängen Bilder der zwölf Apostel. Leicht verschmälert präsentiert sich der einjochige Chor mit 3/8-Schluß. Die Pilaster sind hier enger gekuppelt und haben ein gemeinsames Kapitell.

Auf der linken Seite ist das Sakristeiportal in Stuckrahmung mit Perlstab und geschlossenem Giebel erwähnenswert.

Beim Betreten des Kirchenraumes, dessen Inneneinrichtung im Jahr 1954 zur Gänze restauriert wurde, fällt der Blick auf den imposanten Hochalter - ein Werk um 1755. Auf dem leicht konkaven Aufbau begrenzen je zwei Säulen, von denen die äußeren etwas hervortreten, das relativ schmale Hauptbild. Darauf ist die Steinigung des hl. Stephanus zu sehen, bezeichnet mit J. Gold 1881. Am geschwungenen Aufsatz ist zwischen dem herausschwingenden Gebälk die Hl. Dreifaltigkeit abgebildet (18. Jh.). Zuoberst blickt der Erzengel Michael gedankenvoll zur Seite. Sechs Engel schmücken den Altaraufsatz. Ganz außen stehen Statuen der hll. Paulus und Petrus aus dem 17. Jahrhundert. Der Rokoko-Tabernakel wird von zwei Leuchterengeln begrenzt.

Die beiden sich ähnelnden Seitenaltäre an der Südwand des Langhauses stammen von 1662. Beide besitzen ein oblonges Predellen-Bildfeld (links die hl. Rosalia, rechts ohne Bild) und haben zwischen gestiefelten Säulen ein Gemälde mit aufgesetztem Rundbogen.

Im linken Altar ist im Hauptbild der hl. Sebastian, dem ein Engel die Pfeile herauszieht, zu sehen. Das Osterbild zeigt Christus, aus dessen Seite ein Blutstrahl fließt. Die bemalten Figuren stellen die hll. Georg und Rochus (neben den Säulen) und darüber am Aufsatz die hll. Ulrich und Karl Borromäus dar. Von guter Qualität ist die Statue des hl. Josef mit Kind am Aufsatzgiebel.

Der rechte Seitenaltar, von Johann Kaspar Freiherr von Lerchenfeld und seiner Gemahlin M. Jakobe von Alt- und Neuenfrauenhofen gestiftet, gibt im Hauptbild die Himmelfahrt Mariens und darüber die Krönung Mariens wieder. Die Statuen der hll. Nikolaus und Wolfgang neben dem Altarbild und jene der hll. Johannes und Paulus am Aufsatz werden qualitativ von der Giebelfigur des hl. Florian übertroffen.

An der Ostwand besticht eine neubarocke Kreuzigungsgruppe (Gekreuzigter mit Maria und Johannes) aus dem Jahr 1876. Als dessen Stifter scheint Franz Haitzinger, Austragsbauer am Edlmanngut zu Otterfing, auf.

Aus dem Jahr 1660 stammen die aus einem Achteck gebildete Kanzel mit Bildern des Evangelisten und Kirchenlehrer, das Orgelgehäuse in Form eines Flügelaltares (an den geöffneten Flügeln: Darstellung im Tempel und Anbetung der König sowie am Aufsatz der hl. Stephanus) und das Chorgestühl.

Die Beichtstühle hinter dem Hochaltar sind um 1630 bzw. 1700 gefertigt. Besondere Beachtung gebührt dem eisernen Chorgitter, bestehend aus Spiralen, Doppelkreuz und Sonnenblume, das mit 1711 datiert ist. Das Oratoriumgitter trägt die Jahreszahl 1768.

Eine Besonderheit ist die Glocke von 1512 mit Bildern der Steinigung des hl. Stephanus und der hl. Maria mit Kind.

Die Bilder der zwölf Apostel zieren die Orgelemporen-Brüstung. Die kleine Orgel auf einer eigenen Empore ist in der Form eines Flügelaltares ausgestattet und wurde vermutlich um das Jahr 1660 gebaut.

An der Wand vor dem linken Seitenaltar befindet sich ein beachtenswerter Grabstein für „Lienhard Peckher, Rath- und Oberrichter in Burghausen, gestorben 1554“. An der Außenwand der Kirche erinnert ein weiterer Grabstein an den Wirt in Vormoos, Hainrich Heiterthaler, und seine Ehefrau (gest. 1455).

Im Turm hängt wieder die 1766 gegossene, 1450 kg schwere Glocke, die im Jahre 1942 zur Herstellung von Kriegsmaterial abgenommen worden war. Nach Kriegsende wurde die erstaunlicherweise nicht eingeschmolzene Glocke zusammen mit anderen schönen Glocken in Thüringen aufgefunden und im Jahr 1949 feierlich an ihren Platz zurückgebracht. Sehenswert ist die Turmuhr aus dem Jahre 1690.

1952 wurde die Kirche innen neu ausgemalt. Im Jahr 1955 wurde das Dach neu eingedeckt. Im Jahre 1977 wurden dann das Äußere des Gotteshauses und der Turm neu verputzt. Seit 1998 laufen die Arbeiten der Generalsanierung, die im Jahr 2002 fertiggestellt wurden.

Kircheneinweihung: 11. August 2002 (Zeitungsbericht Braunauer RS)

Weitere Berichte:
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